Was macht ein Haus wirklich nachhaltig? Der komplette Guide 2026 | BIOBUILDS
Nachhaltiges modulares BIOBUILDS Haus in natürlicher Landschaft
Nachhaltigkeit

Was macht ein Haus wirklich nachhaltig?

A
Andreea B. Kundenbetreuungsleitung
27. Januar 2026 12 Min. Lesezeit
BIOBUILDS

Echte Nachhaltigkeit ist mehr als Solarpanels und Recycling. Bei neuen Häusern machen graue Emissionen (Materialien und Bau) bereits rund 50% der Lebenszyklus-Emissionen aus. Holzbau verursacht 48–75% weniger CO₂ als Beton oder Stahl. Auch die Lebensdauer ist entscheidend: Ein Haus mit 80 Jahren Nutzungsdauer hat rund 29% geringere Umweltwirkung als eines mit 50 Jahren. Viele „grüne“ Zertifikate zeigen 15–30% Abweichungen zwischen Planung und Realität. Passivhaus liefert am zuverlässigsten verifizierte Ergebnisse.

„Nachhaltig“ steht heute auf allem, von Reinigern bis Bauprojekten, und bedeutet oft nur „ein wenig weniger schädlich als die offensichtliche Alternative“. Im Wohnbau führt diese Unschärfe zu echter Verwirrung. Wer verantwortungsvoll bauen will, trifft auf einen Markt, in dem laut EU-Kommission 53% der „grünen“ Claims vage, irreführend oder unbelegt sind. Dieser Guide räumt Marketingnebel aus dem Weg und zeigt, was die Umweltwirkung eines Hauses tatsächlich bestimmt.

Nachhaltigkeit ist ein Gesamtsystem: Wo Emissionen wirklich entstehen, welche Materialentscheidungen messbar etwas verändern, wie lange ein Gebäude sinnvoll genutzt wird, ob Menschen darin gesund leben können und welche Zertifikate Ergebnisse verifizieren statt nur Ziele zu versprechen. Die Antworten stellen viele gängige „Green Building“-Annahmen auf den Kopf.

Das Nachhaltigkeits-Paradox

Gebäude verursachen 39% der globalen energiebezogenen CO₂-Emissionen. Dahinter stehen zwei Kategorien mit völlig unterschiedlichen Konsequenzen für Bauherren. Betriebsbedingte Emissionen, also die 28% aus Heizen, Kühlen, Beleuchtung und Strom, stehen meist im Zentrum. Graue Emissionen, die übrigen 11% aus Materialien und Bau, wurden lange unterschätzt.

Diese Balance verschiebt sich stark. Stromnetze werden sauberer, Gebäude effizienter, und damit sinken Betriebs-Emissionen über die Lebensdauer. Graue Emissionen dagegen sind beim Bau „fixiert“ und lassen sich danach nicht mehr reduzieren. Der World Green Building Council erwartet, dass graue Emissionen bis 2050 fast die Hälfte der Emissionen aus neuen Bauvorhaben ausmachen.

Wir müssen grauen Emissionen jetzt mehr Aufmerksamkeit geben, wenn wir künftig wirklich Wirkung erzielen wollen. Auf dem Weg zu Net Zero bis 2050 wird grauer Kohlenstoff entscheidend dafür sein, ob wir das Ziel erreichen.

One Click LCA, Embodied Carbon Research

Das erzeugt ein Paradox: Ein extrem energieeffizientes Haus benötigt oft mehr Material, bessere Dämmung und hochwertigere Komponenten, was die grauen Emissionen erhöht. Dreifachverglasung, starke Dämmstärken, Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung verbrauchen Ressourcen in der Herstellung. Die Kernfrage lautet: Rechtfertigen die Einsparungen im Betrieb den Materialeinsatz am Anfang?

Graue Emissionen: die versteckten 50%

Bei neuen energieeffizienten Gebäuden machen graue Emissionen bereits rund 50% der gesamten Lebenszyklus-Emissionen aus. Das widerspricht der verbreiteten Annahme, dass „Betrieb“ fast alles ist. Je effizienter das Haus wird und je sauberer der Strommix, desto größer wird der Anteil der grauen Emissionen.

39%
der globalen Emissionen entfallen auf Gebäude
50%
bei Neubauten sind Emissionen oft „grau“
10–20%
Reduktion ohne Mehrkosten möglich

Viele Studien zeigen: 10–20% weniger graue Emissionen sind oft möglich, ohne dass die Baukosten steigen, allein durch bessere Materialwahl und optimierte Planung. Kompakte Baukörper reduzieren den Materialeinsatz und können die grauen Emissionen um bis zu 5% senken, weil weniger Hüllfläche nötig ist. Leichtbau-Konzepte sparen bis zu 20%, weil insgesamt weniger Material verbaut wird.

Die Branche reagiert darauf. Der World Green Building Council fordert mindestens 40% Reduktion grauer Emissionen in Neubauten bis 2030, mit Fokus auf frühe Emissionssenkung. Bis 2050 sollen neue Gebäude und Infrastruktur netto null graue Emissionen erreichen. Ohne grundlegende Änderungen bei Materialien und Bauweisen sind diese Ziele nicht erreichbar.

Wo graue Emissionen entstehen

Die Herstellung von Beton, Stahl und Aluminium verursacht zusammen rund 10% der globalen, menschengemachten Treibhausgasemissionen. Diese Materialien dominieren den konventionellen Bau. Beton braucht enorme Energie für die Zementklinkerproduktion. Stahl entsteht oft in Hochöfen bei extremen Temperaturen. Aluminiumherstellung verbraucht sehr viel Strom.

Emissionen entstehen über den gesamten Lebenszyklus: Rohstoffgewinnung, Verarbeitung und Produktion, Transport zur Baustelle, Baustellenprozesse, später Rückbau und Entsorgung. Wichtig ist auch die Systemgrenze: „Cradle-to-gate“ (bis Werkstor) zeigt niedrigere Werte als „Cradle-to-grave“ (inklusive Ende des Lebenszyklus).

Materialwahl, die wirklich zählt

Vergleiche von Tragwerksmaterialien zeigen große Unterschiede bei der Emissionsintensität. Umfangreiche Untersuchungen über viele Projekte liefern Medianwerte, die den Vorteil von Holz klar machen.

55–92%
Weniger graue Emissionen mit Holzrahmenbau gegenüber Beton und Stahl bei vergleichbarer Tragwerksleistung
Quelle: Journal of Industrial Ecology, 127-Gebäude-Analyse

Eine Analyse im Journal of Industrial Ecology untersuchte 127 unterschiedliche Tragwerkskonfigurationen (2 bis 19 Geschosse) aus Holz, Beton und Stahl. Ergebnis: Holztragwerke lagen im Schnitt bei 119 kgCO₂e/m², Beton bei 185 kgCO₂e/m² und Stahl bei 228 kgCO₂e/m².

Tragwerksmaterial Median graue Emissionen vs. Holz Kohlenstoffspeicherung
Holzrahmenbau 119 kgCO₂e/m² Baseline Speichert ca. 0,9 t CO₂/m³
Beton 185 kgCO₂e/m² +55% Keine
Stahl 228 kgCO₂e/m² +92% Keine

Diese Zahlen sind nur ein Teil der Wahrheit. Holz speichert Kohlenstoff, der beim Baumwachstum gebunden wurde. Jeder Kubikmeter verbautes Holz bindet ungefähr 0,9 Tonnen CO₂, die sonst in der Atmosphäre wäre. Das macht Gebäude von einer Emissionsquelle zu einem Kohlenstoffspeicher, was mineralische Baustoffe nicht leisten können.

Ein Vergleich des US Forest Service zwischen einem Massivholzbau (Adohi Hall, University of Arkansas) und einer vergleichbaren Stahlkonstruktion ergab 198 kg CO₂-Äquivalent/m² für Massivholz vs. 243 kg für Stahl, also 18% weniger. Zusätzlich brauchte der Holzbau wegen des geringeren Gewichts 35% kleinere Fundamente, was weitere Materialeinsparungen bringt, die in reinen „pro m²“-Vergleichen oft fehlen.

Mehr als CO₂: Materialgesundheit

Graue Emissionen beschreiben die Umweltwirkung, aber Materialien beeinflussen auch die Gesundheit über Jahrzehnte. Konventioneller Bau nutzt viele synthetische Produkte, die flüchtige organische Verbindungen (VOCs) über lange Zeit abgeben. Holzwerkstoffe enthalten häufig formaldehydbasierte Kleber. Erdölbasierte Dämmstoffe können ebenfalls ausgasen.

Natürliche Materialien wie Massivholz, Zellulose (aus recyceltem Papier), Holzfaserplatten oder mineralische Putze emittieren typischerweise deutlich weniger VOCs. Sie regulieren Feuchtigkeit durch Aufnahme und Abgabe von Wasserdampf und unterstützen so ein stabileres, angenehmeres Innenraumklima. Nachhaltigkeit endet damit nicht bei Umweltkennzahlen, sondern umfasst auch Wohngesundheit.

Kernaussage

Materialwahl wirkt mehrfach. Holzbau senkt graue Emissionen (oft 50–75% weniger als Beton/Stahl), speichert Kohlenstoff (ca. 0,9 t CO₂ pro m³), ermöglicht kleinere Fundamente (bis 35% weniger) und verbessert die Innenraumluft durch geringere VOC-Emissionen. Diese Vorteile addieren sich, statt sich gegenseitig auszuschließen.

Energieeffizienz im Betrieb

Betriebs-Emissionen aus Heizen, Kühlen, Licht und Strom sind bei konventionellen Häusern weiterhin der größte Anteil über die Lebensdauer. Reduktion bleibt zentral, aber der Weg dorthin ist entscheidend.

Viele Standards bewerten vor allem die geplante Performance. Energiemodelle rechnen mit Annahmen zu Nutzerverhalten, Wetter und Anlagenbetrieb. In der Praxis weicht der Verbrauch oft deutlich ab. Untersuchungen zu LEED-Gebäuden zeigen: Mehr als die Hälfte liegt über 25% über den Prognosen. Bei einzelnen BREEAM-Projekten lagen die energiebezogenen Emissionen viermal höher als in der Planung.

Diese Lücke untergräbt das Ziel von Effizienzstandards. Ein Haus, das „auf dem Papier“ effizient ist, aber real wie ein Standardhaus läuft, bringt weder Umwelt- noch Kostenvorteile. Ursachen sind unter anderem zu optimistische Modellannahmen, abweichendes Nutzerverhalten, fehlende Inbetriebnahme und mangelnde Wartung.

Warum Passivhaus anders performt

Passivhaus-Zertifizierung reduziert den Performance-Gap durch verpflichtende Messungen statt reine Modellierung. Jedes zertifizierte Gebäude muss einen Blower-Door-Test bestehen, der die Luftdichtheit real nachweist. Das ist nicht verhandelbar: Entweder wird der Zielwert von 0,6 Luftwechseln pro Stunde erreicht, oder nicht.

Dieser Messzwang schafft Verantwortung im gesamten Prozess. Luftdichtheit kann nicht „wegerklärt“ werden. Das erklärt, warum Passivhaus-Gebäude in der Praxis oft innerhalb von etwa 10% der Planung liegen, während LEED- und BREEAM-Gebäude häufig 15–30% schlechter abschneiden.

Die strenge Heizwärmebedarfsgrenze von 15 kWh/m²a reduziert den Bedarf gegenüber konventionellem Bauen (in Deutschland) grob um etwa 90%. Das ist ein echter Sprung, kein Feintuning. Bei so niedrigen Lasten werden klassische Heizsysteme häufig überflüssig. Komfort entsteht durch interne Wärme (Personen, Geräte) und solare Gewinne, mit minimaler Zusatzheizung.

Lebensdauer: der unterschätzte Faktor

Wie lange ein Gebäude sinnvoll genutzt wird, verändert die Umweltwirkung stärker, als die meisten Nachhaltigkeitsdebatten anerkennen. Graue Emissionen werden über Nutzungsjahre „verteilt“. Ein Haus, das 100 Jahre genutzt wird, halbiert seine jährliche „Bau-Last“ gegenüber 50 Jahren.

44%
Geringere Umweltwirkung bei 120 Jahren Lebensdauer gegenüber 50 Jahren
Quelle: Architectural Engineering and Design Management, 2017

Eine Studie in Architectural Engineering and Design Management quantifiziert das: Gegenüber 50 Jahren senkt eine Lebensdauer von 80 Jahren die Umweltwirkung um 29%, 100 Jahre um 38% und 120 Jahre um 44%. Dafür braucht es keine neue Technologie, sondern Gebäude, die länger funktionieren.

Nordische Bewertungstools rechnen in Umweltbilanzen oft mit 50–60 Jahren Lebensdauer. Das kann die jährliche Umweltwirkung nahezu verdoppeln, im Vergleich zu realistischen 80–120 Jahren bei gut gebauter Substanz. Diese Annahme kann unbewusst Materialien bevorzugen, die kurzfristig günstiger sind, aber früher ersetzt werden und langfristig schlechter abschneiden.

Was die Lebensdauer wirklich bestimmt

Vier Faktoren sind zentral: Materialbeständigkeit, Ausführungsqualität, Wartungszugänglichkeit und Anpassungsfähigkeit. Beständigkeit heißt: passende Materialien und Details für den Standort, Holz mit konstruktivem Feuchteschutz, Fundamente für lokale Böden, Oberflächen für das Klima. Ausführungsqualität heißt: präzise Details, Wetterdichtheit, Wärmebrückenfreiheit.

Wartungszugänglichkeit wird mit den Jahren kritischer. Wenn essentielle Bauteile prüf- und reparierbar sind, verlängert sich die Nutzungsdauer. Wo Reparaturen unverhältnismäßig aufwendig sind, kommt es eher zu vorzeitigem Ersatz.

Anpassungsfähigkeit betrifft funktionale statt statische Obsoleszenz. Häuser werden oft abgerissen, nicht weil sie einstürzen, sondern weil sie den Bedürfnissen nicht mehr entsprechen. Modulares Bauen kann hier helfen: Module ergänzen oder neu konfigurieren, wenn sich Lebenssituationen ändern, verlängert die sinnvolle Nutzungsdauer ohne Komplettneubau.

Wohngesundheit und Innenraumluft

Nachhaltigkeit darf die Menschen im Gebäude nicht ausblenden. Menschen verbringen etwa 90% ihrer Zeit in Innenräumen. Innenraumluft beeinflusst Gesundheit, Konzentration, Schlaf und Wohlbefinden. Ein „nachhaltiges“ Haus, das durch schlechte Luftqualität krank macht, scheitert unabhängig von seiner Ökobilanz.

EPA-Untersuchungen zeigen: VOC-Konzentrationen sind innen konstant 2–5-mal höher als draußen, unabhängig davon, ob ein Haus ländlich oder industriell liegt. Bei Tätigkeiten wie Streichen oder Putzen können Spitzenwerte bis zum 1.000-fachen der Außenluft auftreten. Neubauten sind besonders betroffen, weil viele neue Materialien (Kleber, Lacke, Dichtstoffe, Bodenbeläge) gleichzeitig ausgasen.

90%
der Zeit verbringen Menschen innen
2–5×
höhere VOC-Werte innen vs. außen
2+ Jahre
bis Ausgasung deutlich abnimmt

Ausgasung in Neubauten folgt einem mehrstufigen Abklingverhalten über mindestens zwei Jahre. Sehr flüchtige Stoffe sinken in Tagen, weniger flüchtige können über Jahre bleiben. Daher brauchen Neubauten oft intensive Lüftung nach Fertigstellung. Gerade neue Häuser, die „gesund“ sein sollten, sind anfangs oft am problematischsten.

Warum Lüftung Pflicht ist

Energieeffiziente Gebäude haben ein Dilemma: Luftdichtheit reduziert Wärmeverluste, verhindert aber natürlichen Luftaustausch. Ohne kontrollierte Lüftung steigen VOCs, CO₂, Feuchte und andere Belastungen auf Werte, die Gesundheit und Komfort beeinträchtigen.

Passivhaus löst das durch verpflichtende kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung. Frische, gefilterte Luft strömt kontinuierlich nach, während 85–95% der Wärme aus der Abluft zurückgewonnen werden. Ergebnis: dauerhaft frische Luft ohne Energie-Strafe. Innenraumluft in korrekt betriebenen Passivhäusern ist oft besser als in konventionellen Gebäuden, gerade weil die Luftführung kontrolliert ist.

Die zweite Hälfte ist Materialwahl. Emissionsarme, natürliche Materialien reduzieren die Quellen, statt nur Symptome zu „wegzulüften“. BIOBUILDS verwendet 98% organische Materialien, also Holztragwerk, Zellulose, Holzfaserplatten, die von Beginn an sehr geringe VOC-Emissionen haben. In Kombination mit gefilterter Lüftung entsteht ein Innenraumklima, das messbar gesünder ist als im klassischen Bau.

Zertifizierung: Realität vs. Marketing

Es gibt dutzende Nachhaltigkeits-Zertifikate, die „grüne“ Gebäude versprechen. Allein in der EU existieren rund 230 Nachhaltigkeits-Labels und 100 Labels für „grüne Energie“, mit sehr unterschiedlicher Transparenz und Strenge. Die EU-Kommission stellte fest, dass etwa die Hälfte der Labels schwache oder gar keine Verifizierung ihrer Claims bietet.

Das schafft Verwirrung und erleichtert Greenwashing: mehr Geld für Kommunikation als für echte Verbesserung. Typisch sind Aussagen wie „low carbon“ ohne Basislinie, Hervorhebung einzelner Features bei schlechter Gesamtbilanz oder Berechnungen auf Basis von Durchschnittswerten statt projektspezifischer Daten.

Zertifizierung Schwerpunkt Performance-Gap Verifizierung
LEED Umfassende Nachhaltigkeit >25% bei vielen Gebäuden Dokumentenprüfung
BREEAM Lebenszyklus & Umwelt 15–30% typische Abweichung Bewertung durch Assessor
Passivhaus Energieeffizienz & Komfort typisch innerhalb ±10% Pflicht-Messungen

LEED, eines der bekanntesten Systeme, steht seit Jahren wegen Performance-Gaps in der Kritik. Eine Untersuchung von 121 LEED New Construction-Gebäuden zeigte: Mehr als die Hälfte lag beim Energieverbrauch über 25% über den Prognosen. In einer umfassenden Studie lagen die realen Einsparungen in neuen LEED-Gebäuden 11% unter den Erwartungen. Das Verfahren basiert vor allem auf Dokumentation und Modellierung, nicht auf verpflichtenden Messungen nach Bezug.

BREEAM bewertet breiter als Passivhaus und bezieht Materialien, Wasser, Biodiversität und Standortfaktoren ein. Diese Breite hat Wert, kann aber Spezifität kosten: Gebäude können durch Punkte in vielen Kategorien hoch bewertet werden, obwohl sie bei Energie deutlich schlechter laufen. Eine Untersuchung fand BREEAM-Gebäude mit viermal höheren energiebezogenen Emissionen als in der Planung.

Was echte Standards unterscheidet

Passivhaus hebt sich ab, weil es verifizierte Performance fordert, nicht nur gute Absicht. Pflicht sind physische Tests: Blower-Door-Test, teils Thermografie zur Identifikation von Wärmebrücken. Wer den Test nicht besteht, bekommt kein Zertifikat, egal wie schön die Unterlagen sind.

Das dreht die Anreize: Planer müssen Details entwerfen, die gebaut werden können. Ausführende müssen präzise arbeiten. Qualitätssicherung muss Fehler vor Fertigstellung finden. Nachhaltigkeit wird damit von einem Versprechen zu einer überprüften Realität, genau das, was Bauherren in einem Markt voller Claims brauchen.

Kernaussage

Nicht jedes Label liefert denselben Nutzen. Bei vielen LEED-Gebäuden liegt der reale Energieverbrauch über 25% über den Prognosen. Passivhaus erreicht typischerweise Ergebnisse innerhalb von etwa 10% der Planung, weil Messungen Pflicht sind. Entscheidend ist nicht, was ein Design verspricht, sondern was Messungen nach Bezug bestätigen.

Das komplette Nachhaltigkeitsbild

Wer echte Nachhaltigkeit will, muss das Gesamtbild betrachten: graue Emissionen durch Materialwahl, Betriebs-Emissionen durch Effizienz, Wohngesundheit durch emissionsarme Materialien und Lüftung, Umweltwirkung über Lebensdauer durch langlebige Konstruktion und verifizierte Performance durch strenge Zertifizierung.

Diese Faktoren wirken zusammen. Holz reduziert graue Emissionen, speichert Kohlenstoff und unterstützt gute Innenraumluft. Fabrikfertigung schafft Präzision, die Energieeffizienz und lange Nutzungsdauer erst ermöglicht. Passivhaus-Zertifizierung sichert, dass die Betriebsleistung den Materialeinsatz am Anfang wirklich rechtfertigt.

BIOBUILDS Produktionshalle mit Montage eines nachhaltigen Modulhauses
Präzise Fertigung in der BIOBUILDS Produktion ermöglicht nachhaltiges Bauen im Maßstab

Wie BIOBUILDS diese Faktoren kombiniert

BIOBUILDS steht für integrierte Nachhaltigkeit statt „Checkbox“-Marketing. Jedes Haus nutzt 98% organische Materialien, also Holztragwerk, Zellulose und Holzfaser, reduziert damit graue Emissionen und maximiert Kohlenstoffspeicherung. Passivhaus-Zertifizierung garantiert Betriebseffizienz über getestete Performance, nicht über Modellannahmen.

Fertigung unter kontrollierten Bedingungen schafft eine Präzision, die auf Baustellen kaum erreichbar ist. Millimetergenaue Toleranzen ermöglichen die Luftdichtheit, die Passivhaus verlangt. Geschützte Montage reduziert Feuchterisiken, die Lebensdauer verkürzen. Qualitätskontrollen in jedem Schritt verhindern, dass Mängel „eingebaut“ werden. Ergebnis: Häuser, die über Generationen so funktionieren, wie sie geplant wurden.

Die 21-tägige Produktionszeit komprimiert den Eingriff in die Umgebung auf einen kurzen Zeitraum, statt 8–12 Monate Baustelle wie im konventionellen Bau. Weniger Störung vor Ort, weniger Transportfahrten, weniger Abfall, bessere Kontrolle: Werksfertigung reduziert und konzentriert Effekte, die die Baustelle sonst verteilt und verstärkt.


Wer echte Nachhaltigkeit will, muss das Gesamtbild betrachten: Wo Emissionen entstehen, welche Entscheidungen messbar wirken und ob Claims eine Überprüfung bestehen. Die Richtung ist konsistent: Holzbau, Passivhaus-Effizienz, präzise Fertigung und organische Materialien. Das sind keine Marketingbegriffe, sondern messbare Unterschiede, die sich über die potenziell jahrhundertelange Lebensdauer eines Hauses verstärken. In einem Markt voller grüner Versprechen bleibt verifizierte Performance der zuverlässigste Kompass.

Zuletzt aktualisiert
Teilen

Häufige Fragen

Bei neuen energieeffizienten Gebäuden machen graue Emissionen (Materialien und Bauprozesse) inzwischen rund 50% der Lebenszyklus-Emissionen aus. Bis 2050 steigt dieser Anteil weiter, weil Stromnetze sauberer werden und der Betriebsanteil sinkt. Der World Green Building Council erwartet, dass graue Emissionen fast die Hälfte der Emissionen aus neuen Bauvorhaben ausmachen werden, wodurch Materialentscheidungen immer wichtiger werden.

Studien zeigen: Holzrahmenbau liegt bei etwa 119 kgCO₂e/m², Beton bei 185 kgCO₂e/m², also rund 55% höher. Stahl liegt mit 228 kgCO₂e/m² noch schlechter. Holzrahmenbau ist auch material- und gewichtseffizienter als andere Bauweisen, was ihn ideal für modulare Häuser macht, wo das Gewicht Transport und Fundamente beeinflusst. Zusätzlich speichert Holz Kohlenstoff, etwa 0,9 Tonnen CO₂ pro Kubikmeter, und macht Gebäude damit zu Kohlenstoffspeichern.

Viele Untersuchungen zeigen deutliche Performance-Gaps. Mehr als die Hälfte der LEED-zertifizierten Gebäude liegt beim Energieverbrauch über 25% über den Prognosen. LEED und BREEAM unterschreiten Zielwerte in der Praxis häufig um 15–30%. Passivhaus ist verlässlicher, weil physische Messungen Pflicht sind, und liegt typischerweise innerhalb von etwa 10% der Planung. Entscheidend ist die Art der Verifizierung: Passivhaus verlangt Messwerte, während andere Systeme primär auf Dokumentation und Modellierung basieren.

Je länger ein Gebäude sinnvoll genutzt wird, desto stärker verteilen sich die grauen Emissionen über die Nutzungsjahre. 80 Jahre Lebensdauer senken die Umweltwirkung um etwa 29% gegenüber 50 Jahren. 100 Jahre ergeben ca. 38%, 120 Jahre ca. 44% Reduktion. Das erfordert keine neue Technik, sondern langlebige Konstruktion, präzise Ausführung und eine Planung, die Anpassungen über Generationen ermöglicht.

Menschen verbringen etwa 90% ihrer Zeit in Innenräumen, daher gehört Wohngesundheit zwingend zu nachhaltigem Bauen. VOC-Werte sind innen meist 2–5-mal höher als außen, in Neubauten können sie zeitweise extrem ansteigen. Nachhaltige Häuser sichern Gesundheit und Komfort durch emissionsarme Materialien und kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Ein Haus, das seine Bewohner belastet, ist unabhängig von seiner Ökobilanz kein nachhaltiges Haus.

A
Autor

Andreea B.

Kundenbetreuungsleitung, BIOBUILDS

Passivhaus-Beraterin · 8 Jahre Erfahrung

Andreea begleitet Familien durch jeden Schritt ihrer Modulhaus-Reise, von der Erstberatung bis zum Einzugstag. Mit fast einem Jahrzehnt im Passivhaus-Sektor hat sie über 200 Haushalten in , Deutschland und Österreich geholfen, ihre ideale Konfiguration zu finden und den Zertifizierungsprozess zu navigieren.

Echte Nachhaltigkeit erleben

Konfigurieren Sie Ihr Passivhaus-zertifiziertes modulares Haus. 98% organische Materialien. Verifizierte Performance. In 21 Tagen gebaut.

Jetzt konfigurieren

© 2026 BIOBUILDS